Berlin, 14. Juli 2024 — Lamine Yamal hebt den EM-Pokal in die Berliner Nacht, gerade mal 17 Jahre alt, und ich denke: Das ist der Beginn einer neuen Ära. Spanien hat die Europameisterschaft dominiert wie kein Team seit dem eigenen Triumph 2012, mit einem Teenager als bestem Spieler und einem System, das Gegner ratlos machte. Spanien WM 2026 ist die logische Fortsetzung: Der Europameister reist nach Amerika als einer der absoluten Topfavoriten, mit der jüngsten Mannschaft unter den Titelanwärtern und dem vielleicht besten Trainer der Welt.
La Roja hat sich seit der Durststrecke von 2014-2022 neu erfunden. Die alte Garde um Busquets, Alba und Ramos ist gegangen, eine neue Generation hat übernommen. Yamal, Pedri, Gavi, Nico Williams — diese Namen stehen für Spaniens Zukunft, die bereits Gegenwart ist. Trainer Luis de la Fuente hat aus Talenten eine Turniermannschaft geformt, die taktisch flexibel, technisch brillant und mental stark ist. Kann Spanien nach der EM auch die WM gewinnen?
Nach EM 2024: Die perfekte Qualifikation
Die WM-Qualifikation war für Spanien ein Spaziergang — und das ist keine Übertreibung. Als Europameister war das Selbstvertrauen auf dem Höhepunkt, und La Roja dominierte die UEFA-Gruppe mit einer Souveränität, die an die beste Phase von 2008-2012 erinnerte. Zehn Spiele, zehn Siege — die perfekte Qualifikation, die einzige in ganz Europa.
Die Statistik ist eindrucksvoll: 32 erzielte Tore bei nur 4 Gegentoren, eine Tordifferenz von +28. Yamal traf sechsmal, Morata fünfmal, und selbst Verteidiger wie Carvajal steuerten Tore bei. Die Offensive war explosiv, die Defensive stabil — genau die Kombination, die Turniere gewinnt. Die Gegner Schottland, Norwegen, Georgien, Zypern und Andorra hatten keine Chance.
Besonders bemerkenswert war die Art der Siege. Spanien kontrollierte den Ballbesitz wie früher, aber ohne die Passivität der Tiki-Taka-Jahre. De la Fuente hat ein System etabliert, das Tempo und Kontrolle verbindet: Schnelle Angriffe über die Flügel, vertikale Pässe in die Tiefe, ständige Bewegung. Diese Dynamik macht Spanien gefährlicher als die Mannschaft von 2010, die oft zu geduldig spielte.
Die Monate nach der EM zeigten keine Ermüdungserscheinungen. Während andere EM-Halbfinalisten (Deutschland, Frankreich) in der Nations League schwächelten, gewann Spanien alle sechs Spiele und qualifizierte sich für das Final Four. Diese Konstanz ist ein Zeichen für die Tiefe des Kaders und das Selbstverständnis der Mannschaft. La Roja weiss, wie gut sie ist — und spielt entsprechend.
Gruppe H: Kap Verde, Saudi-Arabien, Uruguay
Die Gruppenauslosung brachte eine interessante Mischung: Uruguay als starker Gegner, Saudi-Arabien als unberechenbarer Aussenseiter, Kap Verde als sympathischer Neuling. Spanien ist klarer Favorit, aber die Gruppe hat Tücken. Uruguay hat bei den letzten WM-Turnieren regelmässig für Überraschungen gesorgt, und Saudi-Arabien hat 2022 Argentinien geschlagen.
Uruguay ist der gefährlichste Gruppengegner. Die Celeste hat mit Darwin Núñez und Federico Valverde Spieler von Liverpool und Real Madrid in ihren Reihen. Die Uruguayer sind physisch stark, taktisch diszipliniert und haben eine lange Tradition erfolgreicher WM-Auftritte. Das Duell Spanien gegen Uruguay wird das Topspiel der Gruppe — ein Sieg würde den Gruppensieg praktisch sichern, eine Niederlage würde Nervosität verbreiten.
Saudi-Arabien hat bei der WM 2022 bewiesen, dass es Grosse schlagen kann. Der 2:1-Sieg gegen Argentinien war eine der grössten Sensationen der WM-Geschichte. Die Saudis spielen unter Trainer Roberto Mancini einen aggressiven, pressingintensiven Stil, der Gegner überraschen kann. Spanien darf diesen Gegner nicht unterschätzen — das wäre der klassische Fehler, der Teams aus Turnieren wirft.
Kap Verde feiert seine erste WM-Teilnahme und wird vor allem die Bühne geniessen. Die kleine Inselnation hat sich überraschend durch die CAF-Qualifikation gekämpft und bringt technisch versierte Spieler mit. Gegen Spanien sind die Chancen minimal, aber jedes Tor wäre ein historischer Moment. La Roja muss professionell agieren und darf sich nicht von der Euphorie des Gegners anstecken lassen.
Meine Prognose: Spanien gewinnt die Gruppe mit 9 Punkten, Uruguay wird Zweiter. Das Spiel gegen Uruguay wird eng (1:0 oder 2:1), die anderen beiden Partien sind Pflichtsiege. Die Gruppenphase ist für Spanien eine Formalität — aber auch eine Chance, Rhythmus zu finden und Selbstvertrauen für die K.O.-Runde aufzubauen.
Die Spielorte in Gruppe H sind über verschiedene Regionen verteilt. Das Auftaktspiel gegen Kap Verde findet in Boston statt, das zweite Spiel gegen Saudi-Arabien in Miami. Das entscheidende Gruppenfinale gegen Uruguay steigt in Kansas City. Die klimatischen Bedingungen variieren, aber Spanien sollte keine Akklimatisierungsprobleme haben.
Kader: Yamal, Pedri, Williams — die goldene Generation
Spaniens Kader ist der jüngste unter den Topfavoriten — und vielleicht der talentierteste. Lamine Yamal wird bei der WM 18 Jahre alt sein und bereits als einer der besten Spieler der Welt gelten. Pedri ist 23 und hat bei Barcelona die Spielmacherrolle übernommen. Nico Williams bringt explosive Geschwindigkeit auf dem linken Flügel. Diese Generation hat bei der EM bewiesen, dass Jugend kein Hindernis ist — sie ist ein Vorteil.
Im Tor steht Unai Simón von Athletic Bilbao, ein Keeper, der bei der EM Paraden zeigte, die an Casillas erinnerten. Seine Fähigkeit, im Elfmeterschiessen zu glänzen, wurde gegen England bewiesen. Hinter ihm wartet David Raya von Arsenal als fähiger Backup. Die Torwartposition ist die stabilste im Kader.
Die Abwehr kombiniert Erfahrung und Jugend. Dani Carvajal von Real Madrid ist der erfahrene Rechtsverteidiger, Marc Cucurella von Chelsea der offensive Linksverteidiger. In der Innenverteidigung dürften Aymeric Laporte und Robin Le Normand agieren — beide sind bei der EM gewachsen. Die Viererkette ist eingespielt und taktisch flexibel.
Das Mittelfeld ist Spaniens traditionelle Stärke. Rodri von Manchester City ist der beste Sechser der Welt, ein Turm in der Defensive und Initiator im Spielaufbau. Pedri bringt Kreativität und Ballkontrolle, Gavi (falls fit) Intensität und Pressing. Dani Olmo kann als Zehner oder Flügel agieren und hat bei der EM entscheidende Tore erzielt. Die Tiefe im Mittelfeld ist beeindruckend — Fabián Ruiz, Fermín López und Martin Zubimendi bieten weitere Optionen.
Der Angriff ist explosiv. Yamal auf rechts, Nico Williams auf links, und Álvaro Morata oder Joselu als Mittelstürmer — diese Kombination hat bei der EM Gegner zerrissen. Morata ist nicht mehr der schnellste, aber sein Bewegungsspiel und seine Erfahrung machen ihn wertvoll. Ferran Torres und Oyarzabal bieten Alternativen, falls einer der Stammkräfte ausfällt.
Die Kadertiefe ist beeindruckend. Auf jeder Position gibt es mindestens zwei Spieler auf internationalem Niveau, was Rotation ermöglicht und Ausfälle kompensiert. Fabián Ruiz kann Rodri ersetzen, Fermín López kann für Pedri einspringen, Bryan Gil bietet eine Alternative auf dem Flügel. Diese Tiefe unterscheidet Spanien von vielen anderen Favoriten — La Roja kann sieben Spiele in fünf Wochen überstehen, ohne an Qualität einzubüssen.
Ein Faktor, der oft übersehen wird, ist die Homogenität des Kaders. Viele Spieler kennen sich aus den Jugend-Nationalmannschaften, haben zusammen EM-Titel gewonnen (U17, U19, U21) und verstehen sich blind. Diese Chemie ist schwer zu replizieren und gibt Spanien einen Vorteil gegenüber Teams, die aus disparaten Clubspielern zusammengewürfelt sind.
Schlüsselspieler: Yamal als Wunderkind
Lamine Yamal ist das grösste Talent des Weltfussballs — und das ist keine Übertreibung. Mit 16 Jahren debütierte er bei Barcelona, mit 17 wurde er EM-Sieger und Spieler des Turniers. Bei der WM 2026 wird er 18 sein und bereits über 150 Profi-Spiele absolviert haben. Seine Dribblings sind unwiderstehlich, seine Pässe präzise, sein Torriecher entwickelt sich stetig. Yamal kann die WM prägen wie Mbappé 2018 — nur jünger.
Was Yamal besonders macht, ist seine Unerschrockenheit. Er nimmt es mit jedem Verteidiger auf, egal ob erfahrener Weltmeister oder physischer Kraftprotz. Seine Beschleunigung ist explosiv, sein Gleichgewicht perfekt, seine Entscheidungsfindung überlegen. Gegen Deutschland im EM-Viertelfinale erzielte er ein Tor, das in die Geschichte einging — ein Schuss aus 25 Metern in den Winkel. Solche Momente definieren Karrieren.
Nico Williams ist der ideale Partner auf der anderen Seite. Wo Yamal mit Technik brilliert, setzt Williams auf pure Geschwindigkeit. Seine Sprints über den linken Flügel überfordern jeden Rechtsverteidiger, seine Flanken sind präzise, sein Abschluss verbessert sich stetig. Bei der EM traf er im Finale gegen England — ein Moment, der sein Selbstvertrauen auf ein neues Level hob.
Rodri ist das Fundament des Teams. Der Manchester-City-Spieler gewann 2024 den Ballon d’Or und etablierte sich als bester Mittelfeldspieler der Welt. Seine Passquote liegt bei über 90%, seine Zweikampfquote ebenso. Rodri kontrolliert das Tempo, verteilt Bälle und sichert ab — er macht die Arbeit, die Yamal und Williams erst ermöglicht. Ohne Rodri fehlt Spanien die Struktur.
Pedri komplettiert das Quartett der Unverzichtbaren. Der Barcelona-Spieler hat nach Verletzungsproblemen seine beste Form gefunden und erinnert an Iniesta in seinen besten Jahren. Seine Ballkontrolle ist makellos, sein Passspiel kreativ, sein Spielverständnis überlegen. Pedri verbindet Mittelfeld und Angriff und ist der Spieler, der Yamal und Williams mit Bällen füttert.
Dani Olmo verdient ebenfalls Erwähnung. Der RB-Leipzig-Spieler war bei der EM einer der besten Spieler des Turniers und erzielte entscheidende Tore im Viertel- und Halbfinale. Seine Vielseitigkeit — er kann als Zehner, Flügel oder sogar als falsche Neun agieren — gibt de la Fuente taktische Optionen. Olmo von der Bank zu bringen ist ein Luxus, den nur wenige Trainer haben.
Die kollektive Stärke überwiegt die individuelle Brillanz. Spanien hat keinen Mbappé, der Spiele im Alleingang entscheidet — aber es hat ein System, das alle Spieler integriert und das Beste aus ihnen herausholt. Diese Teamorientierung ist Spaniens grösster Vorteil und der Grund, warum Experten La Roja höher einschätzen als die Quoten suggerieren.
Taktik unter de la Fuente: Evolution des Tiki-Taka
Luis de la Fuente hat geschafft, was viele für unmöglich hielten: Spaniens Spielstil zu modernisieren, ohne die DNA zu verraten. Das Tiki-Taka von 2008-2012 war revolutionär, aber auch vorhersagbar geworden. De la Fuente hat das Ballbesitzspiel mit Tempo und Vertikalität kombiniert — das Ergebnis ist eine Mannschaft, die sowohl dominieren als auch kontern kann.
Das Grundsystem ist ein 4-3-3, das sich bei eigenem Ballbesitz in ein 3-2-5 verwandelt. Die Aussenverteidiger rücken ins Mittelfeld, Rodri lässt sich zwischen die Innenverteidiger fallen, und die Flügel stehen extrem hoch. Diese Formation überlädt die Offensive und zwingt Gegner zu Entscheidungen: Pressen sie, entstehen Räume für Yamal und Williams; verteidigen sie tief, hat Spanien 70% Ballbesitz.
Offensiv setzt de la Fuente auf Flügelangriffe. Yamal und Williams sind die Hauptwaffen, ihre Eins-gegen-eins-Situationen oft matchentscheidend. Pedri und Olmo suchen die Schnittstellen, Morata bindet Innenverteidiger. Die Kombinationen sind schnell und präzise — Spanien braucht selten mehr als fünf Pässe, um gefährlich zu werden. Diese Direktheit unterscheidet de la Fuentes Team von früheren spanischen Mannschaften.
Defensiv presst Spanien hoch, aber selektiv. Rodri liest das Spiel und entscheidet, wann das Team attackiert und wann es sich zurückzieht. Die Kompaktheit zwischen den Linien ist beeindruckend, die Abstimmung in der Viererkette eingespielt. Gegen schnelle Konterteams — Frankreich, Brasilien — könnte die hohe Linie riskant sein, aber de la Fuente vertraut auf Rodris Fähigkeit, Gefahren zu antizipieren.
Die Standards sind ein weiterer Trumpf. Carvajal und Olmo treten präzise, Laporte und Le Normand dominieren in der Luft. Bei der EM erzielte Spanien drei Tore nach Eckbällen — ein Zeichen für die akribische Vorbereitung. In engen K.O.-Spielen könnten diese Situationen entscheidend sein.
Die Einwechslungen sind eine weitere Stärke. De la Fuente nutzt seinen Kader aktiv: Olmo kam oft von der Bank und entschied Spiele, Joselu brachte physische Präsenz in der Schlussphase. Diese Bereitschaft, taktische Anpassungen vorzunehmen, unterscheidet de la Fuente von früheren spanischen Trainern, die oft an ihrem System festhielten, auch wenn es nicht funktionierte.
Die mentale Komponente ist ebenfalls bemerkenswert. Spanien hat bei der EM alle K.O.-Spiele gewonnen — gegen Deutschland, Frankreich und England. Diese Erfahrung, gegen grosse Gegner zu bestehen, ist unbezahlbar für die WM. La Roja weiss jetzt, dass sie jeden schlagen kann — und das Selbstvertrauen ist entsprechend hoch.
Quoten: Mitfavorit nach EM-Triumph
Spanien liegt bei den Buchmachern auf Platz 3-4 mit Quoten zwischen 7.00 und 8.00 für den WM-Titel. Die implizite Wahrscheinlichkeit von 12-14% reflektiert den EM-Triumph und die Qualität des Kaders. Hinter Frankreich und auf Augenhöhe mit Brasilien, Argentinien und England — das ist Spaniens Marktposition.
Für den Gruppensieg in Gruppe H liegt Spanien bei 1.25, Uruguay bei 3.50, Saudi-Arabien bei 12.00, Kap Verde bei 50.00. Diese Quoten zeigen: Spanien ist klarer Favorit, aber Uruguay kann für Spannung sorgen. Ein Unentschieden gegen die Celeste würde den Gruppensieg nicht gefährden, aber das Selbstvertrauen leicht ankratzen.
Spezialwetten bieten attraktive Optionen. Yamal als Spieler des Turniers steht bei 8.00 — eine hervorragende Quote für den besten jungen Spieler der Welt. «Spanien erreicht das Finale» liegt bei 3.50, was die hohen Erwartungen nach der EM widerspiegelt. «Spanien gewinnt alle Gruppenspiele» steht bei 2.50 — ambitioniert, aber realistisch angesichts der Gruppengegner.
Meine Einschätzung: Spaniens Titelchance liegt bei etwa 14%, leicht über dem Marktkonsens. Der Grund ist die Qualität und Jugend des Kaders. Im Gegensatz zu Argentinien oder Frankreich befindet sich Spanien nicht im Umbruch, sondern am Beginn eines Zyklus. Yamal, Pedri und Williams werden bei der WM 2030 noch besser sein — aber auch 2026 sind sie gut genug für den Titel.
Für Wettende gibt es attraktive Optionen. «Spanien erreicht das Halbfinale» bei 2.50 ist eine solide Wette mit moderater Rendite. «Yamal erzielt 3+ Tore» bei 2.80 reflektiert sein Potenzial als offensiver Star. Der Titelgewinn bei 7.50 bietet guten Value — Spanien hat die Qualität, um jeden Gegner zu schlagen, und der EM-Titel beweist, dass das Team unter Druck performen kann.
Die Buchmacher unterschätzen möglicherweise die Kontinuität. Spanien hat seit der EM nichts verändert — dasselbe System, dieselben Spieler, dieselbe Philosophie. Während andere Favoriten mit Verletzungen, Trainerwechseln oder Formtiefs kämpfen, ist La Roja stabil. Diese Konstanz ist ein Vorteil, der in den Quoten nicht vollständig reflektiert wird.
Spanien bei WMs: 2010 und die lange Durststrecke
Johannesburg, 11. Juli 2010 — Andrés Iniestas Tor in der 116. Minute gegen die Niederlande machte Spanien zum Weltmeister. Ich erinnere mich an die Explosion in den Strassen von Madrid, die ich später in Videos sah, und an das Gefühl, dass Spanien nun jahrelang dominieren würde. Es kam anders: Der WM-Titel 2010 blieb Spaniens einziger, und die Turniere danach waren eine Serie von Enttäuschungen.
2014 in Brasilien war das Gruppenaus gegen Chile und die Niederlande ein Schock — der Titelverteidiger wurde gedemütigt. 2018 und 2022 folgten Achtelfinal-Niederlagen gegen Gastgeber Russland (im Elfmeterschiessen) und Marokko (im Elfmeterschiessen). Die Tiki-Taka-Ära endete nicht mit einem Triumph, sondern mit einem Wimmern. Spanien brauchte einen Neuanfang, und der kam mit de la Fuente.
Die EM 2024 markierte die Wiedergeburt. Spanien spielte den attraktivsten Fussball des Turniers, besiegte Deutschland, Frankreich und England — die drei grössten Rivalen. Der Titel war verdient, die Art des Sieges beeindruckend. Diese Erfahrung, als Favorit ein Turnier zu gewinnen, ist unbezahlbar für die WM 2026. La Roja weiss jetzt, wie es sich anfühlt, unter Druck zu performen.
Die historische Perspektive zeigt: Spanien hat bei WM-Turnieren oft enttäuscht, aber bei EM-Turnieren dominiert (drei Titel seit 2008). Die WM 2026 bietet die Chance, dieses Muster zu brechen. Mit dem EM-Titel im Gepäck und einer Mannschaft im Aufwind könnte Spanien zum zweiten Mal Weltmeister werden — 16 Jahre nach dem ersten Triumph.
Der Vergleich mit 2010 ist aufschlussreich. Damals war Spanien ebenfalls Europameister und reiste als Favorit zur WM. Das Team gewann den Titel, aber nicht ohne Schwierigkeiten — das Auftaktspiel gegen die Schweiz ging verloren. De la Fuentes Mannschaft scheint reifer und weniger anfällig für frühe Stolperer. Die Erfahrung der EM hat das Team abgehärtet.
Was für einen WM-Titel spricht: Die Qualität und Jugend des Kaders, der EM-Titel als mentale Stütze, die taktische Flexibilität unter de la Fuente. Was dagegen spricht: Die relative Unerfahrenheit bei WM-Turnieren, die physische Belastung nach einer langen Saison, und die Stärke der Konkurrenz. Spanien hat alles, um Weltmeister zu werden — aber so haben viele Teams gedacht, die am Ende leer ausgingen.
Prognose: Kann Spanien das Double komplettieren?
Spanien hat alles, was ein Weltmeister braucht: Talent, Taktik, Teamgeist und einen erfahrenen Trainer. Die Frage ist nicht, ob La Roja gut genug ist — die Frage ist, ob das Team über sieben Spiele konstant performen kann. Die EM 2024 zeigte, dass es möglich ist. Die WM 2026 wird zeigen, ob es wiederholbar ist.
Mein wahrscheinlichstes Szenario: Spanien gewinnt Gruppe H souverän, übersteht den Round of 32 gegen einen Drittplatzierten (etwa Senegal oder Australien), und trifft im Round of 16 auf Deutschland oder Niederlande. Hier gewinnt La Roja knapp, 2:1 nach einem Yamal-Tor. Im Viertelfinale wartet Brasilien — ein episches Duell, das Spanien 2:1 nach Verlängerung gewinnt. Im Halbfinale gegen Frankreich wird es bitter: 1:2, Mbappé macht den Unterschied. Spanien fliegt raus, aber mit erhobenen Köpfen.
Das optimistische Szenario: Yamal liefert das Turnier seines Lebens und führt Spanien bis ins Finale. Dort wartet Argentinien, und La Roja gewinnt 2:0 — ein Tor von Williams, ein Tor von Olmo. Spanien ist Welt- und Europameister gleichzeitig, das erste Team seit Frankreich 2000, dem dieses Double gelingt. Wahrscheinlichkeit: etwa 14%.
Das pessimistische Szenario: Saudi-Arabien wiederholt das Wunder von 2022 und schlägt Spanien in der Gruppenphase. Uruguay gewinnt ebenfalls, und La Roja scheidet als Gruppendritter aus. Dieses Szenario ist unwahrscheinlich (unter 5%), aber nicht unmöglich — Spanien hat schon öfter gegen vermeintlich schwächere Gegner verloren.
Der Europameister reist nach Amerika mit dem Ziel, das Double zu komplettieren. Yamal, Pedri, Williams — diese Generation hat bereits bewiesen, dass sie Turniere gewinnen kann. Spanien WM 2026 ist das Team, das jeder fürchtet und jeder bewundert. Ob La Roja den zweiten WM-Titel holt, entscheidet sich in den heissen Wochen des amerikanischen Sommers. Die Zeichen stehen gut — aber im Fussball gibt es keine Garantien.
Die Bedeutung des spanischen Fussballs für die Weltbühne ist enorm. Tiki-Taka hat den Sport revolutioniert, und die Erfolge von 2008-2012 haben Standards gesetzt. Die aktuelle Generation will diese Tradition fortsetzen — mit einem eigenen Stil, der Jugend und Kreativität kombiniert. Spanien bleibt eine der prägenden Fussballnationen der Welt.
Die spanischen Fans werden wie immer leidenschaftlich sein. La Roja wird von Tausenden begleitet, die nach Amerika reisen werden. Die Atmosphäre bei spanischen Spielen ist einzigartig — und wird die Spieler zu Höchstleistungen treiben.