Luka Modric wird bei der WM 2026 41 Jahre alt sein — und trotzdem ist er immer noch der Herzschlag der kroatischen Nationalmannschaft. Ich erinnere mich an seine magischen Momente 2018, als er Kroatien fast im Alleingang ins WM-Finale führte, und an 2022, als er mit 37 Jahren immer noch der beste Mittelfeldspieler des Turniers war. Kroatien WM 2026 ist wahrscheinlich Modrics letzter grosser Auftritt — und das kleine Land an der Adria träumt davon, seinem Helden einen würdigen Abschied zu bereiten.

Die Vatreni sind der Beweis, dass Grösse nicht alles ist. Mit nur 4 Millionen Einwohnern hat Kroatien mehr WM-Erfolge erzielt als Nationen mit zehnfacher Bevölkerung. Platz 3 bei der ersten WM-Teilnahme 1998, Finale 2018, dritter Platz 2022 — die Bilanz ist beeindruckend. Trainer Zlatko Dalic hat eine Kultur des Übertreffens etabliert, die aus Talent und Willen Resultate macht.

Die Frage, die sich alle stellen: Kann Kroatien auch ohne Modric in Topform bestehen? Der Maestro wird nicht ewig spielen, und die Nachfolgeplanung ist das grösste Thema des kroatischen Fussballs. Spieler wie Sučić und Kovacic müssen bereit sein, die Last zu übernehmen — aber ob sie Modrics Genie ersetzen können, bleibt fraglich.

Was Kroatien auszeichnet, ist die Mentalität. Die Spieler kämpfen für jeden Ball, laufen jeden Meter, geben niemals auf. Diese Einstellung hat sie zu WM-Erfolgen geführt, obwohl sie auf dem Papier weniger Talent haben als die grossen Nationen. Bei der WM 2026 wird diese Mentalität wieder entscheidend sein.

Qualifikation: Souverän trotz Umbruch

Die UEFA-Qualifikation war für Kroatien ein Test der neuen Generation. Mit sieben Siegen und drei Unentschieden sicherte sich die Mannschaft den Gruppensieg — ohne Niederlage, aber auch ohne die Dominanz früherer Jahre. Die Integration junger Spieler wie Gvardiol und Sučić verlief holprig, aber letztlich erfolgreich.

Die Statistik zeigt eine solide Leistung: 18 Tore erzielt, nur 6 kassiert. Die defensive Stabilität ist nach wie vor Kroatiens Stärke, während die Offensive ohne Mandzukic und Perisic in Bestform neu erfunden werden musste. Kramaric traf fünfmal, Budimir dreimal — die Torproduktion verteilte sich auf mehrere Schultern.

Die Monate nach der Qualifikation zeigten Kontinuität. In der Nations League hielt Kroatien das Niveau und qualifizierte sich für das Final Four. Dalic bewies erneut, dass er aus diesem Kader das Maximum herausholt — auch wenn die goldene Ära von 2018 vorbei ist.

Die taktische Entwicklung unter Dalic war bemerkenswert. Das Team spielt flexibler als früher, kann sowohl mit Dreierkette als auch mit Viererkette agieren. Die Integration junger Spieler wie Gvardiol, Sučić und Baturina verlief reibungslos, ohne die Erfahrung der Veteranen zu opfern. Diese Balance ist der Schlüssel zu Kroatiens Erfolg.

Ein unterschätzter Faktor ist die Chemie innerhalb des Teams. Viele Spieler kennen sich seit den Jugend-Nationalmannschaften, die Hierarchie ist klar, und Modric führt mit Autorität und Respekt. Diese Teamdynamik kann in engen Spielen den Unterschied machen — Kroatien spielt wie eine Familie, nicht wie eine Ansammlung von Stars.

Gruppe L: England, Ghana, Panama

Die Gruppenauslosung brachte eine schwere Aufgabe: England als Topfavorit, Ghana als unberechenbaren afrikanischen Gegner, Panama als kämpferischen Aussenseiter. Kroatien muss von Anfang an fokussiert sein, um die K.O.-Runde zu erreichen.

England ist der Gruppenfavorit und wird voraussichtlich den ersten Platz belegen. Das Duell Kroatien gegen England erinnert an das WM-Halbfinale 2018, als die Vatreni sensationell gewannen. Diesmal sind die Rollen vertauscht: England geht als Favorit ins Rennen, Kroatien als Aussenseiter mit Chancen.

Ghana bringt afrikanische Dynamik und Unberechenbarkeit mit. Die Black Stars haben bei WM-Turnieren schon oft für Überraschungen gesorgt — 2010 fehlten sie nur ein Elfmeter vom Halbfinale. Gegen Kroatien wird es ein taktisches Duell zwischen europäischer Disziplin und afrikanischer Athletik.

Panama ist der Aussenseiter, aber nicht zu unterschätzen. Die Mittelamerikaner werden kämpfen und versuchen, das Tempo zu verschleppen. Kroatien muss geduldig bleiben und die Chancen nutzen, wenn sie kommen.

Meine Prognose: Kroatien wird Gruppenzweiter hinter England. Das Spiel gegen die Three Lions könnte 1:1 enden, die anderen beiden Partien sollte Kroatien gewinnen. Der Einzug in die K.O.-Runde ist realistisch.

Die Spielorte in Gruppe L bieten gute Bedingungen. Das Auftaktspiel gegen Ghana findet in Miami statt, das zweite Spiel gegen Panama in Houston. Das abschliessende Gruppenspiel gegen England steigt in Philadelphia — ein Stadion mit grosser europäischer Fanbasis, wo kroatische und englische Anhänger für Atmosphäre sorgen werden.

Die kroatische Diaspora in den USA ist beträchtlich, besonders in Städten wie Chicago und Pittsburgh. Auch wenn die Gruppenspiele nicht dort stattfinden, werden Tausende kroatische Fans anreisen. Diese Unterstützung hat bei vergangenen Turnieren immer eine Rolle gespielt — die Vatreni wissen, für wen sie kämpfen.

Taktisch wird Kroatien sich auf die Stärken konzentrieren: Ballbesitz im Mittelfeld, schnelles Umschalten, defensive Kompaktheit. Gegen England wird ein tieferes Verteidigen nötig sein, gegen Ghana und Panama mehr Offensive. Dalic hat bewiesen, dass er sein Team auf verschiedene Gegner einstellen kann.

Kader: Nach Modric kommt — wer?

Die grosse Frage ist: Wer ersetzt Modric, wenn er nicht mehr kann? Die Antwort ist komplex, denn einen Spieler wie den Ballon-d’Or-Gewinner von 2018 kann man nicht einfach ersetzen. Kroatien muss kollektiv kompensieren, was Modric individuell bringt.

Im Tor steht Dominik Livakovic von Fenerbahçe, ein Keeper, der bei der WM 2022 zum Helden wurde. Seine Paraden im Elfmeterschiessen gegen Japan und Brasilien waren legendär. Livakovic ist einer der besten Torhüter im Turnier und kann Spiele im Alleingang retten.

Die Abwehr ist Kroatiens Prunkstück. Josko Gvardiol von Manchester City ist einer der besten Innenverteidiger der Welt mit nur 24 Jahren. Neben ihm dürfte Josip Sutalo von Ajax oder Duje Caleta-Car agieren. Die Viererkette ist schnell, technisch versiert und taktisch intelligent.

Das Mittelfeld wird von Modric angeführt, auch wenn seine Rolle reduziert sein könnte. Mateo Kovacic von Manchester City bringt Dynamik und Ballsicherheit, Marcelo Brozovic von Al-Nassr Erfahrung und Spielaufbau. Luka Sučić von Real Sociedad ist das grösste Talent und könnte bei der WM seinen Durchbruch feiern.

Der Angriff ist der problematischste Bereich. Nach Mandzukic und Perisic fehlt ein echter Torjäger. Andrej Kramaric von Hoffenheim bringt Erfahrung, Ante Budimir von Osasuna Torgefahr, aber keiner ist ein Weltklasse-Stürmer. Die Tore müssen aus dem Mittelfeld kommen — und das ist Modrics Domäne.

Die Kadertiefe ist limitiert, aber ausreichend. Auf jeder Position gibt es mindestens eine solide Alternative: Ivica Ivušić hinter Livakovic, Martin Erlić neben Gvardiol, Mario Pašalić im Mittelfeld. Diese Tiefe ermöglicht Rotation und kann Ausfälle kompensieren — auch wenn die Qualität des zweiten Glieds nicht an die Stammformation heranreicht.

Ein positiver Aspekt ist die Eingespieltheit. Viele Spieler sind seit Jahren Teil der Nationalmannschaft und kennen das System von Dalic aus dem Effeff. Diese Routine kann in Druckmomenten den Unterschied machen — Kroatien muss nicht improvisieren, sondern kann auf bewährte Muster zurückgreifen.

Die physische Belastung ist ein Thema. Modric, Perisic (falls dabei) und Brozovic sind nicht mehr die Jüngsten, und ein WM-Turnier mit bis zu sieben Spielen in fünf Wochen ist anspruchsvoll. Dalic muss klug rotieren und die Veteranen schonen, ohne an Qualität einzubüssen. Diese Balance wird über Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Schlüsselspieler: Modric, Gvardiol, Livakovic

Luka Modric ist auch mit 41 Jahren noch der wichtigste Spieler. Seine Pässe öffnen Räume, seine Übersicht ist unübertroffen, sein Einfluss auf das Team geht über das Sportliche hinaus. Modric ist der Kapitän, der Leader, die Seele der Mannschaft. Ohne ihn wäre Kroatien ein normales Team — mit ihm sind sie gefährliche Aussenseiter.

Josko Gvardiol ist die Zukunft und schon jetzt Weltklasse. Der Innenverteidiger von Manchester City kombiniert Physis mit Technik und kann sowohl verteidigen als auch aufbauen. Bei der WM 2022 war er einer der besten Abwehrspieler des Turniers — 2026 wird er noch besser sein.

Dominik Livakovic kann Spiele entscheiden. Seine Elfmeter-Paraden 2022 sind unvergessen, und seine Fähigkeit, in grossen Momenten zu glänzen, macht ihn wertvoll. Wenn Kroatien ins Elfmeterschiessen muss, ist Livakovic der Mann, dem man vertraut.

Mateo Kovacic verdient ebenfalls Erwähnung. Der Manchester-City-Spieler bringt Ballsicherheit und Dynamik ins Mittelfeld. Neben Modric ermöglicht er dem Kapitän, sich auf die kreativen Aspekte zu konzentrieren. Kovacic ist der Motor, der unermüdlich läuft und den Rhythmus vorgibt.

Luka Sučić ist das grösste Talent und könnte bei der WM seinen Durchbruch feiern. Der Real-Sociedad-Spieler hat den Stil von Modric — technisch versiert, übersichtlich, mit einem Auge für den tödlichen Pass. Sučić muss bereit sein, die Last zu übernehmen, wenn Modrics Beine nicht mehr mitmachen.

Andrej Kramaric bringt Erfahrung und Torgefahr aus der Bundesliga mit. Der Hoffenheim-Stürmer kennt die grossen Bühnen und kann in entscheidenden Momenten treffen. Seine Rolle wird wichtiger sein als je zuvor, wenn Kroatien die fehlende Sturm-Qualität kompensieren muss.

Quoten und Prognose: Aussenseiter mit Biss

Kroatien liegt bei den Buchmachern auf Platz 12-15 mit Quoten zwischen 35.00 und 45.00 für den WM-Titel. Die implizite Wahrscheinlichkeit von 2-3% reflektiert die Realität: Kroatien ist kein Favorit, aber ein gefährlicher Aussenseiter.

Die Quotenentwicklung ist interessant. Nach dem Finale 2018 war Kroatien bei 15.00 gelistet, nach dem dritten Platz 2022 bei 25.00. Jetzt, mit einem alternden Modric, sind die Quoten gestiegen. Aber Kroatien hat bei den letzten Turnieren gezeigt, dass sie Quoten widerlegen können.

Meine Einschätzung: Kroatiens Titelchance liegt bei etwa 3%. Die Vatreni haben die Fähigkeit, jeden Gegner zu schlagen — das haben sie 2018 und 2022 bewiesen. Aber die Abhängigkeit von Modric und das fehlende Sturm-Talent sind Limitierungen, die schwer zu überwinden sind.

Für Wettende bieten sich Spezialwetten an. «Kroatien erreicht das Viertelfinale» bei 3.50 ist attraktiv für eine Mannschaft, die bei den letzten beiden WMs das Halbfinale erreichte. «Kroatien gewinnt die Gruppe» bei 4.50 wäre eine Überraschung, aber nicht unmöglich.

Mein wahrscheinlichstes Szenario: Kroatien wird Gruppenzweiter, übersteht den Round of 32, und trifft im Round of 16 auf Frankreich oder Brasilien. Hier endet die Reise — aber mit Ehre. Ein Achtelfinale wäre ein würdiger Abschied für Modric.

Das optimistische Szenario: Modric liefert ein letztes Meisterwerk, Gvardiol hält hinten alles dicht, und Kroatien erreicht das Halbfinale. Dort wartet Argentinien, und es kommt zum Elfmeterschiessen — Livakovic hält, Kroatien steht im Finale. Gegen Frankreich verlieren die Vatreni 1:2, aber der Traum war greifbar nah. Wahrscheinlichkeit: etwa 3%.

Das pessimistische Szenario: Modrics Beine machen nicht mehr mit, England dominiert das Gruppenspiel 3:0, und Kroatien muss gegen Ghana und Panama um den zweiten Platz kämpfen. Ein Unentschieden gegen Panama würde das frühe Aus bedeuten. Dieses Szenario ist weniger wahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Die historische Perspektive spricht für Kroatien. Bei den letzten drei WM-Turnieren (2014 ausgenommen) hat das kleine Land überperformt. Die Vatreni wissen, wie man auf der grossen Bühne abliefert. Diese Erfahrung ist unbezahlbar und kann in engen Spielen den Unterschied machen.

In welcher Gruppe spielt Kroatien bei der WM 2026?
Kroatien ist in Gruppe L mit England, Ghana und Panama. Die Vatreni sind aussenseiter, aber gefährlich und könnten den zweiten Platz erreichen.
Ist Luka Modric bei der WM 2026 dabei?
Wahrscheinlich ja. Modric wird 41 Jahre alt sein, aber er ist immer noch der wichtigste Spieler Kroatiens. Dies dürfte seine letzte WM sein.
Wie weit kommt Kroatien bei der WM 2026?
Basierend auf den letzten Turnieren (Finale 2018, dritter Platz 2022) ist mindestens das Achtelfinale realistisch. Ein Viertelfinal-Einzug wäre ein Erfolg.

Die Vatreni reisen nach Amerika mit dem Traum, Modrics Karriere mit einem Titel zu krönen. Die Chancen sind gering, aber Kroatien hat bewiesen, dass sie Grosse schlagen können. Kroatien WM 2026 ist das letzte Kapitel einer goldenen Ära — und niemand weiss, wie es enden wird. Eines ist sicher: Kroatien wird kämpfen, bis zum letzten Tropfen.

Die kroatische Fussballkultur ist bemerkenswert für ein Land mit nur 4 Millionen Einwohnern. Zweimal WM-Finale (1998 und 2022), einmal Platz drei (2018) — diese Bilanz ist beispiellos für eine so kleine Nation. Das Geheimnis liegt in der Ausbildung und der Mentalität: Kroatien produziert technisch versierte Spieler mit unerschütterlichem Selbstvertrauen.

Die Fans werden wie immer leidenschaftlich sein. Die «Vatreni» (Feurigen) werden von Zehntausenden unterstützt, die nach Amerika reisen werden. Das Schachbrettmuster wird in den Stadien sichtbar sein, die Gesänge werden widerhallen. Diese Unterstützung ist ein Vorteil, den grössere Nationen nicht haben.

Die Zukunft des kroatischen Fussballs sieht vielversprechend aus. Spieler wie Gvardiol, Sučić und Baturina repräsentieren die nächste Generation. Sie werden bei der WM 2026 Einsatzzeit bekommen und sich auf zukünftige Turniere vorbereiten. Der Übergang von Modric zu seinen Nachfolgern wird fliessend sein — wenn alles nach Plan läuft.