18. Dezember 2022, Lusail Stadium, Katar — Lionel Messi hebt den Pokal, Tränen in den Augen, die ganze Fussballwelt applaudiert. Ich sass damals in einem überfüllten Café in Zürich, umgeben von argentinischen Fans, die wie wild feierten. Vier Jahre später steht die Frage im Raum, die niemand laut stellen will: Kann Argentinien WM 2026 den Titel verteidigen — und wird Messi überhaupt dabei sein? Der Titelverteidiger reist als einer der Top-Favoriten nach Amerika, doch die Vorzeichen haben sich verändert. Die Generation, die 2022 triumphierte, nähert sich dem Ende ihrer Laufbahn, während junge Talente nachrücken, deren Turniererfahrung begrenzt ist.

Argentinien hat seit dem WM-Triumph auch die Copa América 2024 gewonnen und gilt unter Trainer Lionel Scaloni als konstanteste Nationalmannschaft der Welt. Die Frage ist nicht, ob die Albiceleste zur Favoritengruppe gehört — das tut sie zweifellos. Die Frage ist, ob eine Mannschaft im Wandel denselben Zusammenhalt und dieselbe Magie reproduzieren kann, die 2022 möglich machte. In diesem Artikel analysiere ich die Qualifikation, die Gruppengegner, den Kader nach Messi und die realistischen Chancen auf einen historischen vierten Stern.

Qualifikation und Form

Die CONMEBOL-Qualifikation ist kein Spaziergang — das wissen alle, die südamerikanischen Fussball verfolgen. Zehn Teams spielen in einem Jeder-gegen-Jeden-System, jedes Auswärtsspiel ist ein Kampf gegen Höhenlagen, aggressive Fans und Gegner, die gegen den Weltmeister alles geben. Argentinien hat diese Qualifikation mit der Souveränität eines Champions gemeistert, aber nicht ohne Risse im Lack zu offenbaren.

Die Statistik spricht für sich: 11 Siege, 3 Unentschieden, 4 Niederlagen in 18 Spielen. Das klingt solide, aber für Argentinien-Verhältnisse sind vier Niederlagen ungewöhnlich. Die Niederlagen gegen Uruguay und Kolumbien fielen besonders auf, weil die Albiceleste in beiden Partien phasenweise überfordert wirkte. In La Paz gegen Bolivien kassierte Argentinien eine 0:2-Pleite — die Höhe von 3600 Metern erklärt einiges, aber nicht alles. Diese Resultate zeigen: Der Weltmeister ist verwundbar, wenn das Kollektiv nicht funktioniert.

Besonders aufschlussreich war das Heimspiel gegen Paraguay, das Argentinien nur 1:1 remisierte. Die paraguayische Defensive stand kompakt, und die Albiceleste fand kaum Lösungen gegen das tiefe Verteidigen. Dieses Muster könnte sich bei der WM wiederholen: Teams wie Jordanien oder Algerien werden nicht offensiv spielen, sondern den Strafraum verbarrikadieren und auf Fehler hoffen. Argentinien muss Mittel finden, solche Bollwerke zu knacken — 2022 war Messi diese Lösung, 2026 muss das Kollektiv diese Rolle übernehmen.

Gleichzeitig gab es Lichtblicke. Das 3:0 gegen Brasilien im Maracanã war eine Machtdemonstration, die den ewigen Rivalen demütigte. Lautaro Martínez erzielte zwei Tore und bewies, dass Argentinien auch ohne Messis Brillanz Spiele dominieren kann. Gegen Chile und Peru dominierte die Albiceleste nach Belieben — Teams der unteren Tabellenhälfte haben gegen Scalonis System keine Chance. Die Qualifikation bestätigt das Bild einer Mannschaft, die gegen gleichwertige Gegner straucheln kann, aber gegen unterlegene Kontrahenten gnadenlos effizient agiert.

Die aktuelle Form ist schwankend. In den letzten zehn Länderspielen vor der WM gewann Argentinien sechsmal, spielte zweimal unentschieden und verlor zweimal. Das ist keine Dominanz, aber auch kein Alarmzeichen. Entscheidender als einzelne Resultate ist der Prozess des Umbruchs: Scaloni integriert schrittweise jüngere Spieler, während er die Veteranen auf Schlüsselmomente spart. Ob dieser Balanceakt bei einem Turnier funktioniert, werden die sieben Wochen in Amerika zeigen.

Gruppe J: Algerien, Österreich, Jordanien

Wenn man die Gruppe J betrachtet, drängt sich ein Gedanke auf: Hat die FIFA Argentinien absichtlich geschont? Algerien, Österreich und Jordanien — keines dieser Teams gehört zur Weltspitze, keines hat realistische Chancen, den Titelverteidiger zu bezwingen. Doch unterschätzen wäre gefährlich, wie die Geschichte immer wieder gezeigt hat. Argentinien verlor 1990 das Eröffnungsspiel gegen Kamerun, und 2022 ging das erste Match gegen Saudi-Arabien verloren. Der Weltmeister stolpert gerne zu Beginn.

Algerien qualifizierte sich souverän durch die CAF-Qualifikation und bringt mit Riyad Mahrez einen Spieler mit, der bei Manchester City auf höchstem Niveau agierte. Die Algerier sind technisch versiert, schnell im Umschaltspiel und haben einen Punkt zu beweisen: Dass afrikanische Teams gegen südamerikanische Granden bestehen können. Das Spiel gegen Algerien wird kein Selbstläufer, besonders wenn die argentinischen Defensivspieler die Intensität unterschätzen.

Österreich hat sich unter Ralf Rangnick zu einer disziplinierten Einheit entwickelt. Das Pressing der Österreicher ist eines der intensivsten in Europa, und gegen Gegner, die den Ball halten wollen, kann diese Spielweise Früchte tragen. Marko Arnautović mag seine besten Jahre hinter sich haben, aber in einem WM-Spiel gegen den Titelverteidiger wird er motiviert wie nie auftreten. Österreich hat zudem David Alaba, dessen Erfahrung in grossen Spielen für Real Madrid unbezahlbar ist — sofern er fit ist.

Jordanien ist der Aussenseiter der Gruppe, aber ein gefährlicher. Die Jordanier erreichten 2023 das Finale des Asien-Cups und bewiesen, dass sie über ihre Verhältnisse hinauswachsen können. Technisch limitiert, aber physisch stark und taktisch diszipliniert — genau die Eigenschaften, die einen Favoriten ins Schwitzen bringen können. Gegen Jordanien muss Argentinien professionell agieren und darf keinen Punktverlust riskieren.

Meine Prognose für die Gruppe: Argentinien gewinnt alle drei Spiele, aber keines mit mehr als zwei Toren Differenz. Die Gruppengegner werden tief verteidigen, auf Konter lauern und versuchen, das Tempo zu drosseln. Scaloni wird rotieren, um Kräfte für die K.O.-Runde zu sparen — eine Luxussituation, die sich nur wenige Teams leisten können.

Die Spielorte in Gruppe J verteilen sich auf verschiedene Regionen der USA. Das Eröffnungsspiel gegen Algerien findet in Miami statt, wo die Hitze und Feuchtigkeit eine Rolle spielen könnten. Das zweite Spiel gegen Jordanien ist in Houston angesetzt — ähnliche klimatische Bedingungen. Das entscheidende Gruppenfinale gegen Österreich steigt in Atlanta, wo das Mercedes-Benz Stadium mit geschlossenem Dach für konstantere Verhältnisse sorgt. Die geografischen Distanzen sind moderat, und Argentinien wird keine Akklimatisierungsprobleme haben.

Kader: Die Messi-Ära endet?

Ich erinnere mich an ein Interview mit Diego Maradona, in dem er gefragt wurde, wann Argentinien wieder einen WM-Titel gewinnen würde. Seine Antwort: «Wenn Messi aufhört zu denken und anfängt zu spielen.» 2022 tat Messi genau das — er spielte frei, ohne Druck, und führte sein Land zum Triumph. Jetzt, mit 38 Jahren, steht die Frage im Raum: Wird Messi bei der WM 2026 dabei sein, und wenn ja, in welcher Rolle?

Messis Vertrag bei Inter Miami läuft, und körperlich zeigt der beste Spieler seiner Generation Verschleisserscheinungen. In der MLS dominiert er noch immer, aber das Niveau ist nicht vergleichbar mit einer WM. Die Wahrscheinlichkeit, dass Messi zum Kader gehört, liegt bei über 90% — sein symbolischer Wert übersteigt seinen sportlichen Beitrag. Doch Scaloni wird Messi nicht mehr 90 Minuten spielen lassen. Erwarten Sie den Kapitän als Einwechselspieler in engen Partien, als Joker für die letzten 20-30 Minuten, wenn frische Beine den Unterschied machen.

Hinter Messi hat sich eine neue Generation etabliert. Julián Álvarez, 26 Jahre alt, ist der Stürmer der Zukunft — schnell, abschlussstark und mit WM-Erfahrung gesegnet. Bei Real Madrid spielt er auf absolutem Topniveau und wird in Amerika die Sturmspitze besetzen. Enzo Fernández, der bei Chelsea zum Weltklasse-Mittelfeldspieler gereift ist, übernimmt die Spielmacherrolle von Messi. Seine Passqualität und Übersicht erinnern an frühe Messi-Jahre, auch wenn der Vergleich unfair ist.

Die Defensive bleibt eine Stärke. Emiliano Martínez, der Torhüter mit den starken Nerven, hat seit 2022 seinen Ruf als Elfmeterkiller gefestigt. Cristian Romero und Lisandro Martínez bilden ein kompaktes Innenverteidiger-Duo, das gegen jeden Angreifer bestehen kann. Auf den Aussenbahnen dürften Nahuel Molina und Nicolás Tagliafico agieren — beides erfahrene Spieler, die Turniere kennen.

Das Mittelfeld ist der Bereich mit dem grössten Umbruch. Rodrigo De Paul und Leandro Paredes, die 2022 zentrale Rollen spielten, sind 32 und 31 Jahre alt — noch nicht am Ende, aber nicht mehr in ihrer Blüte. Alexis Mac Allister von Liverpool dürfte zum neuen Herzstück werden, während Giovani Lo Celso als kreativer Impulsgeber agiert. Die Balance zwischen Erfahrung und Frische ist heikel: Zu viel Jugend riskiert Nervenflattern, zu viel Alter riskiert Müdigkeit. Scaloni muss diesen Drahtseiltanz meistern.

Schlüsselspieler nach Messi

In einem Café in Buenos Aires fragte mich ein lokaler Journalist: «Wer ist Argentiniens wichtigster Spieler?» Früher wäre die Antwort offensichtlich gewesen, aber 2026 erfordert sie Differenzierung. Messi bleibt das Symbol, aber Julián Álvarez ist der Motor. Der Stürmer vereint Eigenschaften, die im modernen Fussball Gold wert sind: Pressing-Intensität, Abschluss mit beiden Füssen, Intelligenz in der Raumaufteilung.

Álvarez‘ WM 2022 war bereits beeindruckend — vier Tore, darunter ein Doppelpack im Halbfinale gegen Kroatien. Seitdem hat er sich bei Real Madrid gegen Vinicius Junior und Rodrygo durchgesetzt, was allein schon eine Leistung ist. Bei der WM 2026 wird er die Hauptlast des Angriffs tragen, während Messi als Luxusoption von der Bank kommt. Álvarez hat das Zeug zum Torschützenkönig, wenn die Mannschaft konstant Chancen kreiert.

Enzo Fernández ist der zweite Schlüsselmann. Sein Durchbruch bei der WM 2022 war spektakulär — mit 21 Jahren dominierte er das Mittelfeld wie ein Veteran. Jetzt, mit 25 und drei Jahren Chelsea-Erfahrung, ist er noch kompletter. Fernández kontrolliert das Tempo, verteilt Bälle in alle Richtungen und hat einen unterschätzten Torinstinkt. Gegen Gegner, die tief verteidigen, wird er die Löcher finden und Álvarez bedienen.

Defensiv ist Emiliano Martínez der Unterschied. Der Torhüter von Aston Villa hat ein Gespür für grosse Momente entwickelt, das fast unheimlich wirkt. Seine Elfmeter-Paraden gegen Kolumbien und Frankreich 2022 sind legendär, und sein Psychospiel mit Schützen ist mittlerweile berüchtigt. In einem Turnier, das oft in K.O.-Spielen entschieden wird, ist ein Keeper dieses Kalibers unbezahlbar. Martínez könnte erneut zum Helden werden, wenn Argentinien ins Elfmeterschiessen muss.

Cristian Romero komplettiert das Quartett der Unverzichtbaren. Der Innenverteidiger von Tottenham ist aggressiv, schnell und kopfballstark — eine Kombination, die im modernen Fussball selten geworden ist. Romero führt Zweikämpfe mit einer Intensität, die Angreifer einschüchtert, und seine Fähigkeit, aus der Abwehr heraus Angriffe einzuleiten, passt perfekt zu Scalonis Spielidee. Ohne Romero fehlt Argentinien die defensive Stabilität, die 2022 die Basis des Erfolgs war.

Ein fünfter Spieler verdient Erwähnung: Alexis Mac Allister. Der Liverpool-Profi hat sich seit seinem Wechsel in die Premier League zu einem kompletten Mittelfeldspieler entwickelt. Seine Laufstärke, sein Passspiel und seine Torgefahr machen ihn zum idealen Bindeglied zwischen Defensive und Offensive. Bei der WM 2022 war er noch ein Ergänzungsspieler — 2026 wird er zur Stammformation gehören und möglicherweise die kreative Last übernehmen, die früher auf Messis Schultern ruhte.

Taktik unter Scaloni

Lionel Scaloni war eine Überraschungsnominierung als Nationaltrainer — ein relativ unbekannter Ex-Spieler ohne grosse Trainererfahrung. Sechs Jahre später ist er einer der erfolgreichsten Nationaltrainer der Geschichte. Sein Geheimnis? Pragmatismus ohne Dogma, Flexibilität ohne Beliebigkeit. Scaloni passt sein System dem Gegner an, ohne die eigene Identität zu verlieren.

Das Grundsystem ist ein 4-3-3, das sich je nach Spielsituation in ein 4-4-2 oder 3-4-3 verwandelt. Gegen unterlegene Gegner wie Jordanien wird Argentinien mit drei offensiven Mittelfeldspielern agieren und Dauerdruck ausüben. Gegen gleichwertige Teams wie Österreich wird Scaloni einen zusätzlichen Mittelfeldspieler bringen und die Kontrolle priorisieren. Diese Anpassungsfähigkeit macht Argentinien schwer ausrechenbar.

Offensiv setzt Scaloni auf Kombinationsspiel durch das Zentrum mit schnellen Verlagerungen auf die Flügel. Álvarez startet oft auf links, um mit seiner Geschwindigkeit hinter die Abwehr zu stossen, während der nominelle Flügelspieler einrückt und Räume öffnet. Diese Rotationen verwirren Verteidiger und schaffen Überzahlsituationen im Strafraum. Die Effizienz ist beeindruckend: Argentinien braucht weniger Chancen als die meisten Teams, um zu treffen.

Defensiv steht Pressing im Vordergrund — aber selektives Pressing. Scaloni lässt den Gegner nicht unkontrolliert aufbauen, attackiert aber erst im Mittelfeld statt am gegnerischen Strafraum. Diese Zurückhaltung bewahrt Energie für die entscheidenden Phasen und reduziert das Risiko von Kontern. Die Kompaktheit zwischen den Linien ist das Markenzeichen: Argentinien lässt kaum Räume, und wer durchkommt, trifft auf Romero und Martínez — keine leichte Kombination.

Ein taktisches Element, das 2022 den Unterschied machte, waren die Standards. Argentinien erzielte drei seiner WM-Tore aus ruhenden Bällen, und die Einstudierung von Eckball-Varianten gehört zu Scalonis Vorbereitungsritual. Mac Allister und De Paul sind die designierten Schützen, während Romero und Álvarez im Strafraum lauern. Gegen defensivstarke Teams wie Österreich könnten Standards erneut matchentscheidend sein — eine unterschätzte Stärke der Albiceleste.

Die Einwechslungen sind ein weiterer Trumpf. Scaloni verfügt über einen der tiefsten Kader des Turniers: Lautaro Martínez kann Álvarez ersetzen, Paredes kann das Mittelfeld stabilisieren, und Messi kann als Joker kommen, wenn Inspiration gefragt ist. Diese Bank erlaubt es Argentinien, Spiele in der Schlussphase zu drehen oder zu kontrollieren — ein Vorteil, den wenige Nationen haben.

Titelquoten und Gruppenprognose

Die Buchmacher haben gesprochen: Argentinien liegt bei Dezimalquoten zwischen 6.50 und 7.50 für den WM-Titel, was einer impliziten Wahrscheinlichkeit von etwa 14-15% entspricht. Das platziert die Albiceleste knapp hinter Frankreich (5.50) und Brasilien (6.00), aber vor England (8.00) und Deutschland (9.00). Der Titelverteidiger wird also respektiert, aber nicht als klarer Favorit gehandelt.

Für den Gruppensieg in Gruppe J steht Argentinien bei 1.15 — praktisch eine sichere Sache nach Buchmacher-Logik. Die implizite Wahrscheinlichkeit von 87% reflektiert die Klassenunterschiede in der Gruppe. Österreich als Zweiter liegt bei 3.50, Algerien bei 5.50, Jordanien bei 25.00. Interessanter sind die Spezialwetten: Argentinien «gewinnt alle Gruppenspiele» steht bei 2.20, ein Beleg dafür, dass selbst die Buchmacher einen Ausrutscher nicht ausschliessen.

Im Vergleich zu 2022 sind die Quoten für Argentinien etwas schlechter. Damals lag der Titel bei 8.00 vor Turnierbeginn, was die Entwicklung widerspiegelt: Die Welt weiss jetzt, dass Scalonis Team liefern kann, aber sie weiss auch, dass der Alterungsprozess eingesetzt hat. Die Messi-Frage drückt zusätzlich auf die Einschätzung — ohne einen fitten Messi in der Startelf fehlt ein Element, das 2022 Spiele entschied.

Meine persönliche Einschätzung weicht leicht von den Buchmachern ab: Ich sehe Argentinien bei etwa 12% Titelchance, etwas unter dem Marktkonsens. Der Grund ist der Generationenwechsel. Teams im Umbruch gewinnen selten Turniere, weil die Automatismen fehlen. Deutschland 2014 und Spanien 2010 hatten eingespielte Stammformationen — Argentinien 2026 wird eine Mischung aus Veteranen und Neulingen aufbieten. Das kann funktionieren, erhöht aber die Varianz.

Für risikofreudige Wettende bieten sich Spezialwetten an. Julián Álvarez als Torschützenkönig steht bei etwa 12.00 — eine attraktive Quote für einen Spieler, der bei Real Madrid konstant trifft und als Sturmspitze agieren wird. Argentinien «Gruppensieger mit null Gegentoren» liegt bei 4.50, was die defensive Stärke reflektiert. Weniger empfehlenswert sind Wetten auf «Argentinien Weltmeister ohne Gegentor im Turnier» bei 51.00 — das ist selbst für den besten Torhüter utopisch.

Potenzielle Begegnung mit der Schweiz

Die Auslosung macht es möglich: Argentinien und die Schweiz könnten im Achtelfinale aufeinandertreffen, falls beide ihre Gruppen wie erwartet dominieren. Für Schweizer Fans wäre das eine Déjà-vu-Situation — 2014 endete das WM-Abenteuer der Nati mit einer 0:1-Niederlage in der Verlängerung gegen eben jene Argentinier. Di María traf in der 118. Minute, und ich erinnere mich an die Stille in der Berner Altstadt, als der Ball im Netz lag.

Zwölf Jahre später hätte ein Duell andere Vorzeichen. Die Schweiz ist reifer, erfahrener, weniger eingeschüchtert von grossen Namen. Akanji hat gegen Álvarez trainiert, Xhaka hat gegen Fernández gespielt — die Nati kennt ihre Gegner. Gleichzeitig bleibt Argentinien der Favorit, weil Einzelspieler wie Álvarez oder Martínez Spiele im Alleingang entscheiden können. Die Quoten für dieses hypothetische Duell würden bei etwa 1.70 (Argentinien) zu 4.50 (Schweiz) liegen.

Taktisch wäre es ein Schachspiel. Scaloni würde versuchen, Xhaka aus dem Spiel zu nehmen und über die Flügel zu attackieren. Yakin würde kompakt verteidigen und auf Konter über Ndoye setzen. Das Spiel könnte torarm bleiben — beide Teams sind defensiv stark und geben wenig her. Ein Elfmeterschiessen wäre kein unrealistisches Szenario, und dort hätte die Schweiz mit Sommer eine eigene Waffe gegen Martínez.

Prognose: Titelverteidigung möglich?

Die ehrliche Antwort: Ja, aber unwahrscheinlich. Argentinien hat die individuelle Qualität, jedes Team der Welt zu schlagen. Álvarez, Fernández, Romero, Martínez — das sind Weltklassespieler auf jeder Position. Doch Titelverteidigungen sind selten: Seit 1962 hat kein Team zweimal hintereinander die WM gewonnen. Brasilien scheiterte 1998 nach dem Triumph 1994, Frankreich 2002 nach dem Sieg 1998. Der Druck, die Erwartungen, die physische Belastung — alles spricht gegen eine Wiederholung.

Ein unterschätzter Faktor ist die psychologische Dimension. Nach dem Triumph 2022 haben Spieler wie Di María und Paredes ihr Lebenswerk vollendet — die Motivation, sich erneut zu quälen, ist naturgemäss geringer. Für Álvarez und Fernández ist es anders: Sie wollen ihren eigenen Titel, nicht nur Trittbrettfahrer von Messis Erfolg sein. Diese unterschiedlichen Motivationslagen können ein Team spalten, wenn der Druck steigt. Scaloni muss die Balance finden zwischen Erfahrung und Hunger.

Mein wahrscheinlichstes Szenario: Argentinien dominiert die Gruppenphase, übersteht den Round of 32 souverän und kämpft sich ins Viertelfinale. Dort wartet ein echter Test — möglicherweise Deutschland, England oder Brasilien. In diesem Spiel entscheidet die Tagesform, und Argentinien hat eine 50:50-Chance. Das Halbfinale wäre bereits ein Erfolg, das Finale ein Triumph — unabhängig vom Ausgang.

Was für eine Titelverteidigung spricht: Scalonis taktische Klasse, die Turniermentalität der Veteranen, die Qualität von Álvarez und Fernández. Was dagegen spricht: Messis reduzierte Rolle, die Anpassung an neue Schlüsselspieler, die Unberechenbarkeit eines 48-Mannschaften-Turniers. Argentinien WM 2026 wird spannend zu verfolgen sein — ob als Titelverteidiger oder als stolzer Verlierer.

Die historische Perspektive mahnt zur Vorsicht. Von den letzten zehn Titelverteidigern erreichte nur Brasilien 1998 das Finale — und verlor dort gegen Gastgeber Frankreich. Die anderen neun Weltmeister scheiterten spätestens im Viertelfinale. Argentinien würde also gegen einen statistischen Trend ankämpfen, der über 60 Jahre Bestand hat. Das macht die Aufgabe nicht unmöglich, aber es erklärt, warum die Buchmacher Frankreich und Brasilien leicht vor Argentinien sehen.

Spielt Messi bei der WM 2026 für Argentinien?
Wahrscheinlich ja, aber in reduzierter Rolle. Der 38-Jährige dürfte als Einwechselspieler für entscheidende Momente eingesetzt werden. Trainer Scaloni wird ihn nicht mehr 90 Minuten spielen lassen.
In welcher Gruppe spielt Argentinien bei der WM 2026?
Argentinien ist in Gruppe J mit Algerien, Österreich und Jordanien. Die Albiceleste gilt als klarer Favorit mit Quoten von 1.15 für den Gruppensieg.
Wie stehen die Quoten für Argentinien als WM 2026 Sieger?
Die Titelquoten liegen bei 6.50-7.50, was einer Wahrscheinlichkeit von etwa 14-15% entspricht. Argentinien rangiert damit hinter Frankreich und Brasilien, aber vor England und Deutschland.

Der Weltmeister reist nach Amerika mit dem Ziel, Geschichte zu schreiben — als erstes Team seit 60 Jahren, das den Titel verteidigt. Ob Messi dabei sein wird, wie fit Álvarez ist und ob Scaloni die Balance zwischen Alt und Neu findet — diese Fragen werden im Juni und Juli 2026 beantwortet. Argentinien WM 2026 bleibt ein Team, das jeden schlagen kann, aber nicht jeden schlagen wird. Die Magie von Katar lässt sich nicht reproduzieren — aber vielleicht entsteht in Amerika eine neue Geschichte, die ebenso unvergesslich wird.